Die Deutschen sparen bei der Gesundheit – wirklich?

Bei der Überschrift „Die Deutschen sparen bei der Gesundheit“ habe ich zunächst einmal geschluckt. Denn Berichte über viel zu hohe Medikamentenpreise (teilweise zahlt man hierzulande 70 Prozent mehr als bei den europäischen Nachbarn) haben mich daran zweifeln lassen, dass da etwas wahres dran ist. Doch der Gesundheitsbarometer 2012 der Europ Assistance zeigt ein anderes Bild.

Laut der Studie zeigt sich die Zahlungsbereitschaft der Deutschen für medizinische Leistungen von der europäischen Finanz- und Wirtschaftskrise offensichtlich beeindruckt. So haben im vergangenen Jahr über 30 Prozent (2011: 15 Prozent) der Deutschen aus Geldmangel auf erforderliche medizinische Behandlungen verzichtet. Deutschland liegt damit deutlich über dem europäischen Durchschnitt (knapp 19 Prozent). Zur Entlastung der Haushaltskasse sind die Deutschen vor allem bereit, auf notwendige Zahnbehandlungen (52 Prozent), den Erwerb von Sehhilfen (42 Prozent) und auf Arzneimittel (33 Prozent) zu verzichten. Wobei die ersten beiden Punkte sicher fragwürdig sind, denn schmerverzerrte Mitbürger sind mir noch nicht über den Weg gelaufen und dass man die neue Füllung doch eher auf nächsten Monat verschiebt, muss nicht unbedingt etwas mit dem Geldbeutel, sondern hat wohl eher mit der Angst vor dem Zahnarzt (Dentalphobie) zu tun. Senioren müssen auch nicht den teuersten Treppenlift kaufen, dafür gibt es ja Treppenlift Preisvergleiche. Und Brillen gibt es ja mittlerweile auch zum Nulltarif, weshalb es wohl eher darum geht, eine alte Brille durch eine neue zu ersetzen.

Die Studie hat aber noch andere interessante Zahlen auf Lager:

– Für 31 Prozent der Deutschen ist eine Chancengleichheit für alle Bundesbürger beim Zugang zu Gesundheitsleistungen unabhängig von Einkommen und Status gegeben (europäischer Durchschnitt: 42 Prozent).

– 47 Prozent der Deutschen haben die Befürchtung, daß die finanziellen Mittel der staatlichen Gesundheitsvorsorge nicht ausreichen (europäischer Durchschnitt: 58 Prozent).

– 39 Prozent der Deutschen erachten individuell abgestimmte Zusatzversicherungen als geeignete Lösung zur Finanzierung des Gesundheitswesens (europäischer Durchschnitt: 27 Prozent).

– 72 Prozent der Deutschen haben sich in den letzten fünf Jahren einem Gesundheits-Check unterzogen (europäischer Durchschnitt: 73 Prozent).

– 60 Prozent der Deutschen empfindet die staatliche Vorsorge für Senioren und pflegebedürftige Menschen als unzureichend (europäischer Durchschnitt: 63 Prozent).

– 54 Prozent der Deutschen nutzen das Internet für Informationsleistungen rund um Gesundheit (europäischer Durchschnitt: 53 Prozent), lehnen aber zugleich mehrheitlich (68 Prozent) onlinebasierte medizinische und individuelle Beratungsleistungen ab (europäischer Durchschnitt: 63 Prozent).

– 60 Prozent der Deutschen empfinden die Organisation der staatlichen Gesundheitsversorgung für pflegebedürftige und ältere Menschen als unzureichend (europäischer Durchschnitt: 63 Prozent)

– 43 Prozent der Deutschen gehen davon aus, daß mit telemedizinischen Angeboten die Behandlungsqualität durch einen Arzt verbessert wird (europäischer Durchschnitt: 53 Prozent).

Das vollständige Gesundheitsbarometer 2012 der Europ Assistance ist übrigens hier erhältlich.


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