Was passiert mit den deutschen Kaupthing-Kunden? Finanzmarktkrise bedrängt Island immer mehr

Während in Deutschland das Rettungspaket in Rekordzeit durch die Instanzen geprügelt wird ist weiter offen, wer überhaupt das Konstrukt benötigt. Noch hat sich jedenfalls keine Bank gemeldet. Ob es am Ende wirklich vor allem die Landesbanken sind, bleibt abzuwarten. Zumindest sind durch Änderungen auch diese durch das Rettungspaket abgedeckt.

Ganz andere Probleme haben aber weiterhin die die Isländer. Dort ist offensichtlich heute die erste Anleihe nicht mehr zurückgezahlt worden. Dennoch herrscht Trotzige Zuversicht in Island (Siegfried Thielbeer in der FAZ). Aber auch ständiges Drehen an der Leitzinsschraube macht die Krise nicht handhabbar. Nachdem die Leitzinsen zwischenzeitlich auf 15,5 Prozent erhöht worden waren, wurden sie mittlerweile wieder auf 12 Prozent gesenkt. Aufgrund der ebenfalls dramatischen Abschwächung der isländischen Krone stehen viele Isländer angesichts ihrer konsumgetriebenen Schulden vor dem Ruin.

Ob dieser Ruin auch die deutschen Kunden der Kaupthing Edge, der größten isländischen Bank und seit kurzem verstaatlicht, trifft ist weiter fraglich. Europaweit herrscht darüber keinerlei Einigkeit. Während Großbritannien und die Niederlande in großem Stil ihren Bürgern zu Hilfe sprangen und für die Einlagen bürgten, kam es in der Schweiz sogar schon zu ersten Auszahlungen. In Deutschland und Österreich wissen die Kunden dagegen noch immer nicht, was Ihnen bevorsteht. Dieses Verhalten erstaunt angesichts der jüngst beschlossenen Verbesserungen bei der Einlagensicherung. So will man jetzt ja Einlagen bis 100.000 Euro absichern und die Einlagenauszahlung nach einer Bankenpleite binnen 3 Tagen ermöglichen. Ob das letztlich nur Absichtserklärungen sind, wird man in den nächsten Wochen sehen.

Unterdessen versicherte die Bundesregierung den Kaupthing-Kunden ihre Unterstützung, aber Erfolge sind noch nicht zu sehen: „Wir setzen uns dafür ein, dass die deutschen Sparer gemäß ihren Ansprüchen gegenüber dem isländischen Einlagensicherungssystem entschädigt werden“, zitiert Focus-Money eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums. Wenn man die Aussagen also genau betrachtet, will man in Deutschland zumindest dafür sorgen, dass der derzeit in Europa maximal gesicherte Einlagenschutz in Höhe von 20.887 Euro an die Eigentümer zum Tragen kommt. Dass in der Schweiz so schnell die ersten Gelder ausgezahlt wurden (5.000 Franken) liegt wohl an der Besonderheit der Schweizer Einlagensicherung, denn anscheinend zahlen dort alle in der Schweiz tätigen Banken ein. Ein Auszahlung bis 30.000 Franken wird derzeit geprüft, womit wohl auch ein Großteil der Anleger in voller Höhe entschädigt ist. Betroffene seien an dieser Stelle nochmal auf das Kaupthing Edge-Forum hingewiesen, wo sich um eine gemeinsame Interessenvertretung bemüht wird, um Druck auf die Bundesregierung zu erzeugen.


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