Der DAX-Anstieg ist heute eine VW-Mogelpackung

Der heutige massive Anstieg des DAX in Prozentpunkten täuscht gehörig. Denn wenn man sich die Liste der 30 DAX-Werte anschaut, dann ist die Mehrheit der Unternehmen im Minus.

Alleine die Tatsache, dass Volkswagen einen so hohes Gewicht im DAX hat (laut der DAX Gewichtungen der Gruppe Deutsche Börse vom 28.10.2008 ca. 27%) lässt den Index derartig nach oben schießen, dass die Mehrzahl der Minuswerte hier nicht ins Gewicht fällt, da deren Anteil erheblich geringer ist.

Dennoch scheint das die letzten Tage und speziell heute und gestern kein „normaler“ Kursanstieg gewesen zu sein. Außerdem berühren Absatzprobleme in der Automobilindustrie bzw. die Finanzmarktkrise VW offensichtlich nicht. Seit einigen Wochen gibt es wohl Gerüchte, dass der Sportwagenhersteller Porsche seinen Aktienanteil erhöhen möchte.

Der enorme Kurssprung ist also zum einen Teil News-bedingt, denn Porsche hat am Wochenende verkündet, seinen Anteil von bisher 35% auf 42,6% ausgebaut zu haben. Ausschlaggebend ist wohl aber, dass Porsche Optionen habe, weitere 31,5% von VW übernehmen zu können.

Der andere Teil ist, dass es viele spekulativ orientierte Investoren gibt, die auf Short-Positionen in VW sitzen, also dass man beispielsweise mit Finanztermingeschäften (z.B. Optionen) auf fallende Kurse bei VW gesetzt hat. Diese müssen diese nun „covern“, also sich mit der Aktie eindecken, die sie vorher „leerverkauft“ haben. Es wird sich eine Aktie „geliehen“ und verkauft, um sie später bei erhofften gefallenen Kursen wieder günstiger zurück kaufen und dabei einen Gewinn einstreichen zu können.

Porsche selbst hat Optionen aufgebaut, um weitere VW-Aktien zu einem bestimmten Wert und einem bestimmten Zeitpunkt erwerben zu können. Die Ankündigung der massiven Aufstockung der Anteile an VW brachte jetzt den Stein ins Rollen.

Da es von Aufsichtsbehörden dafür offenbar keine speziellen Bestimmungen gibt, konnte Porsche unbemerkt die Optionen aufbauen.

In Barron’s habe ich einen interessanten Artikel genau zu diesem Thema gefunden, der sich auf den Handel mit Optionen von Unternehmen befasst.

Dort wird darauf verwiesen, dass der Handel mit Optionen aussagekräftiger über ein Unternehmen sein kann, als die Worte des jeweiligen Vorstandsvorsitzenden. Übrigens sei das beispielsweise bei Lehman Brothers der Fall gewesen…


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  1. […] Verfahren jedoch ebenfalls Nachteile hat, haben wir zuletzt im vergangenen Herbst gemerkt, als die Kursexplosionen bei VW-Aktien für unsinnige Kurssprünge beim DAX gesorgt haben. In der Folge wurde dann ja auch […]

  2. […] für Furore an der Börse mit einem kurzem Höchstkurs von 945 Euro pro Aktie. Durch die starke Gewichtung im DAX von 27 % wurde der DAX schon damals künstlich hochgehalten. Würde Porsche durch deren Übernahmepläne […]

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