Die Deutschen und die Finanzen – jetzt offiziell kein Traumpaar

Eigentlich war es ja immer ein offenes Geheimnis: Die Deutschen und ihr Finanzwissen stehen eher auf Kriegsfuß. Das Wissen rund um den Themenkomplex Finanzen ist so gering, dass jetzt Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner die häufig fehlerhafte Beratung kritisiert und eine verschärfte Haftung der Vermittler fordert.

Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, sieht Aigner die Verbesserung der Haftungssituation durch eine Umkehr der Beweislast zu Gunsten der Anleger sowie eine Verlängerung der Verjährungsfristen als mögliche Reaktion. Daneben gehören ihrer Ansicht nach auch die Strukturen des Vertriebs von Finanzprodukten auf den Prüfstand. Hintergrund ist die nun veröffentlichte Studie „Anforderungen an Finanzvermittler – mehr Qualität, bessere Entscheidungen“.

Der Studie zufolge werden jedes Jahr Milliardensummen fehlerhaft eingesetzt:

Die Vermögensschäden aufgrund mängelbehafteter Finanzberatung werden auf jährlich 20-30 Mrd. Euro geschätzt. Allein für ihren Versicherungsschutz geben die deutschen Verbraucher geschätzt 20 Mrd. Euro zu viel aus und versichern dennoch tendenziell das Falsche. Jeder private Haushalt könnte durchschnittlich 400 Euro pro Jahr sparen, wenn er sich auf die existenziellen Risiken mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit konzentrierte und jeweils die leistungsstärksten Versicherer wählte. In der Praxis werden jedoch eher Kleinrisiken mit höherer Wahrscheinlichkeit abgesichert, offenbar weil sie als greifbarer erscheinen, und die Anbieterauswahl wird selten optimiert.

Die gesamte Studie findet man hier.

Ich halte schärfere Haftungsregelungen sicher für nicht verkehrt. Sinnvoller wäre allerdings eine Verbesserung der Finanzbildung der Deutschen. Nicht nur im Versicherungsbereich, auch im Geldanlage- und Vermögensbildungsbereich herrscht bei vielen blindes Vertrauen in angeblich „unabhängige“ Berater von Versicherungen und Banken vor. Jeder Auto- oder Fernsehkauf wird genauer überlegt, als eine Geldanlageentscheidung. Das muss sich ändern, denn nur dann wird der ansonsten immer als mündiger Bürger titulierte Bürger auch wirklich mündig!

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