Die isländische Kaupthing-Bank und ihre deutschen Kunden

Über Island und die Auswirkungen der Finanzkrise auf das kleine Inselvölkchen wurde in der Presse ja schon groß berichtet. Dazu ein Bericht aus dem Handelsblatt: In Island herrscht Notstand und ein Kommentar von Thomas Hanke: Wenn die Pleitegeier kreisen.

Heute hat Island nach der Landsbanki und der Glitnir-Bank auch ihren Branchenführer Kaupthing verstaatlicht. Eigentlich müsste das uns nicht allzu sehr belasten, wenn es nicht auch viele deutschen Kunden gäbe, die bei der Kaupthing ihr Tages- oder Festgeld angelegt haben. Heute erscheint nun auf deren Website folgende Hinweis:

Sehr geehrte Kaupthing Edge Kunden,
die Kaupthing Bank wurde heute unter die Aufsicht der
isländischen Bankenaufsicht gestellt.
Derzeit ist der Zugriff auf die Online Konten nicht möglich.
Sie erhalten schnellstmöglich weitere Informationen.

Was heißt das nun für die betroffenen: Der deutsche Einlagensicherungsfonds greift hier ebensowenig wie das Versprechen der deutschen Kanzlerin, dass alle Einlagen sicher seien. Da es sich um eine isländische Bank handelt und greifen somit die dortigen Einlagensicherungssysteme. Zwar wurde bereits durch den isländischen Staat erklärt, dass die Einlagen der rund 320.000 Isländer sicher seien. Was mit Einlagen ausländischer Staatsbürger aber wirklich ist, wurde noch nicht kommuniziert. Dabei sind andere Nationen wie Großbritannien oder die Niederlande deutlich stärker mit dem isländischen Bankensystem verbunden. Die Kaupthing-Bank selbst schreibt dazu:

Die isländische Regierung hat bekräftigt, dass alle Einlagen in Island durch die Regierung garantiert sind. Einlagen in Großbritannien werden durch die britische Regierung bis zu 50.000 Pfund garantiert, die Einlagen in den übrigen Ländern werden durch die isländische Einlagensicherung bis zu einer Höhe von 20.887 Euro garantiert.

Was also tun, wenn ich nicht mehr an meine Konto bei der Kaupthing-Bank komme? Nun zunächst einmal heißt es warten. Im Laufe der nächsten Tage wird sicher geklärt, in welchem Umfang Island oder eine andere Bank für die Einlagen bei den isländischen Banken gerade steht bzw. stehen kann. Auch grenzüberschreitende Fusionen sind dabei denkbar und vielleicht auch notwendig. Man sollte nur bedenken, dass die Bilanzsumme der Kaupthing-Bank das BIP Islands um ein vielfaches übersteigt! Eine allein isländische Lösung scheint damit von vornherein aussichtlos. Aber ich bin sicher, dass auch hier Auswege gefunden werden!

Für alle, die aus dieser Krise etwas lernen wollen, möchte ich noch auf meinen gestrigen Beitrag: Die Hintergründe der Finanzmarktkrise oder warum Olli Kahn keine Aktien mehr hat hinweisen. Es ist an der Zeit sich mit dem Thema Finanzen und dem gesamten Finanzsystem ernsthaft auseinanderzusetzen. Dabei KANN sich JEDER informieren, eine eigene Meinung bilden und entsprechend handeln! Soviel Mündigkeit muss man jedem Bürger zumuten können! Der Autokauf oder die Berufswahl fällt man ja auch nach eigenen Entscheidung, von daher MUSS man sich von so genannten “Experten” fernhalten und nur das tun, was man auch wirklich verstehen kann. Auch der jetzt oft erschallende Ruf nach Papa Staat ist nicht gerechtfertigt, denn wer ist denn der Staat – das sind wir doch alle!


4 Kommentare und 3 Trackbacks/Pingbacks

  1. [...] Heute wurde der Börsenhandel in Island ausgesetzt und die letzte große isländische Bank, die Kaupthing Bank, wurde verstaatlicht. [...]

  2. 2. gh

    Kommentar vom 10. Oktober 2008 um 09:33

    Man darf aber auch hier nicht vergessen, dass es sich im weitesten Sinne um Festgel- und Tagesgeldkonten handelt, die keine spekulativen Geschäfte darstellen. Da frage ich mich ernsthaft, ob man dann noch irgendeiner anderen Bank noch trauen kann, wenn sogar solche Anlageformen nicht mehr sicher sind!
    Das auch deutsche Banken von der Kriese betroffen sind zeigt als bestes Beispiel die Hypo RE.

  3. 3. Schmidt

    Kommentar vom 10. Oktober 2008 um 09:40

    @gh
    Banken kann man schon noch trauen, nur sollte man drauf achten, welchem Einlagensicherungssystem diese Unterliegen. In Island sind eben nur die EU-weit geregelten 20.000€ sicher, aber halt auch nur, wenn nicht der Staatsbankrott droht – man wird sehen, wie es da weitergeht. Nachdem die Briten für ihre Bürger mit Einlagen in Island wohl schon Hilfe angekündigt haben, wird dies im Zweifel in Deutschland auch kommen.

    Und ja Fest- und Tagesgeld ist sicher die derzeit beste Variante sein Geld anzulegen! Aber bei einer deutschen Bank! (Immer an die Patronatserklärung der Kanzlerin denken – wenn die nicht eingehalten wird, braucht sie sich nächstes Jahr gar nicht wieder zu Wahl stellen, also wird das Geld sicher sein!)

  4. 4. pleite

    Kommentar vom 11. Oktober 2008 um 10:08

    Bitte beachtet auch die Seite http://kaupthingedge.foren-city.de/ auf der viele nuetzliche Informationen vorliegen.

  5. 5. Schmidt

    Kommentar vom 11. Oktober 2008 um 10:38

    Danke für den Foren-Hinweis. Da gibt es sicher für den ein oder anderen gute Tipps.

    Wie ich im Handelsblatt gelesen habe, sollten Betroffene recht zügig einen Anwalt aufsuchen und mit ihm die Ansprüche bei der isländischen Einlagensicherung anmelden.

  6. [...] Etwas genauer hinschauen sollten Anleger bei ausländischen Banken. Die meisten gehören zwar der gesetzlichen Einlagensicherung an, aber nicht alle. Bei der Bank of Scotland gilt die britische Einlagensicherung in Höhe von 85.000 Pfund. Auch hier sind also rund 100.000 Euro abgesichert. Sollte eine Bank keinem Einlagensicherungsfonds angehören, lautet die klare Empfehlung: Finger weg! Stichwort Kaupthing… [...]

  7. [...] dies hat zahlreiche Sparer in den letzten Jahren auch sehr in die Irre geführt, sei hier nur an die isländische Kaupthing Edge erinnert, die mit überdurchschnittlichen Sparzinsen auch in Deutschland warb und am Ende verstaatlicht [...]

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